West-Nil-Virus

    • Hmm, danke für die Information Bärti.

      Ich hab mir mal die Fallzahlen in Bezug zur Lethalität angeschaut. Sieht so aus, als würde die Lethalität abnehmen, je länger das Virus an einer Stelle vorkommt.

      CDC und RKI beschäftigen sich schon ziemlich lange damit.

      cdc.gov/ncidod/dvbid/westnile/index.htm

      Im Anbetracht der Tatsache, dass wir hier in meiner Gegend zusätzlich Hanta, FSME und eine extreme Durchseuchung mit Borelliose (extrem häufig Neuroborelliose) haben, fällt WNF fast gar nicht auf.

      Interessant wird es (wie bei allen Viren), wenn sich bestimmte Faktoren genetisch ändern:

      Infektionsweg
      Infektionshäufigkeit
      Infektionsdauer
      Lethalität
      Etc.
      Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!
    • Kurzes Update:

      Da ich mich ja für Infektionskrankheiten (allerdings mehr im Sinne von Biowaffen) interessiere, habe ich vorhin mal das Robert Koch Institut angeschrieben.

      Mich treibt die Frage um, wie viel der derzeitigen Panikmache durch die verschiedenen Medien auf echten Erkenntnissen beruht.
      Fakt ist, dass wir einige neue Mitbewohner in Mitteleuropa bekommen haben; u.a. die Tigermücke. Aber auch neue Zeckenarten sind auf dem Vormarsch und auch diese haben echt ekelhafte Krankheiten im Gepäck.

      So weit, so schlecht könnte man Glauben, wenn man die Presse verfolgt.

      Was die Medien aber nirgends erwähnen, ist woher die jeweiligen Ausbrüche/Epidemien stammen. Es ist nämlich keineswegs so, dass z.B. das West Nil Virus in den angesiedelten Beständen quasi vererbt wird, sondern jedes einzelne Mistvieh muss sich selbst das Virus bei einem Wirt besorgen.

      Bedeutet, wenn wir hier in Deutschland demnächst flächendeckend Tigermücken haben, trägt keine einzige dieses Virus in sich. Dazu muss sie erst einen infizierten Wirt stechen.

      Mein Schreiben bezieht sich auf genau diese Frage. Hässlich wird es es erst, wenn es größere Epidemien aufgrund frisch eingeschleppte, adulter Mücken gibt. Dann, aber auch nur dann kommt es zu wiederholten Ausbrüchen.

      Interessant ist in dieser Hinsicht auch, dass es noch keinerlei Untersuchungen gibt (weder bei RKI noch CDC) ob unsere heimische Mückenpopulation oder Zecken dann nicht auch zum Überträger (Vektor) werden können.

      Ich bin ja mal gespannt, ob und was sie antworten ;)
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    • Das mit den Zecken hatte ich auch vor kurzem gelesen:

      aerzteblatt.de/nachrichten/971…n-in-Deutschland-entdeckt

      Lange heiße Sommer begünstigen die Einschleppung von subtropischen Zeckenarten. Im Raum Hannover, in Osnabrück und im hessischen Wetteraukreis wurden kürzlich 7 Exemplare der Gattung Hyalomma gesichtet. Eine war mit Rickettsia aeschlimannii infiziert, einem möglichen Erreger des Fleckfiebers.

      Die Zecken, die größer sind als der einheimische Gemeine Holzbock, sind leicht an den gestreiften Beinen zu erkennen. Sie sind deshalb den Besitzern mehrerer Pferde und eines Schafes aufgefallen, die die Behörden alarmierten. 5 der 7 Zecken gelangten schließlich zum Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, wo Lidia Chitimia-Dobler sie als Hyalomma marginatum beziehungsweise Hyalomma rufipes identifizierte. Die Expertin hatte bereist 2015 und 2017 2 Hyalomma-Zecken in Deutschland identifizieren können und darüber in Ticks and Tick-borne Diseases (2016; 7: 1135-1138) berichtet.

      Die Zecken, die in Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Europas beheimatet sind, erreichen vermutlich mit den Zugvögeln Deutschland. Da sie zum Überleben hohe Temperaturen und eine geringe Luftfeuchtigkeit benötigen, sterben sie normalerweise, bevor sie entdeckt werden. In diesem Sommer könnten sie überlebt haben, weil es gerade in Norddeutschland eine längere Phase mit hohen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit gab.

      Mit den Zecken können auch exotische Erreger nach Deutschland gelangen. Bei einer Zecke konnten die Forscher Rickettsia aeschlimannii nachweisen. Das Bakterium wurde erstmals 1997 in Marokko entdeckt. Es kann wie andere Rickettsien ein Fleckfieber auslösen. Die Erkrankung tritt in Deutschland alle paar Jahre in Einzelfällen auf, allerdings bisher ausschließlich bei Menschen, die vorher die Endemieländer besucht hatten.
      Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd.
    • Bezüglich West-Nil-Virus kann ich mich noch erinnern, dass es vor 2 oder 3 Jahren mal einen kleineren Ausbruch in New York gegeben hat der auch hier in den Medien erwähnt wurde. Hab noch mal danach gegoogelt und folgende Zusammenfassung gefunden:

      apotheken-umschau.de/West-Nil-Fieber


      Der Nachweis des West-Nil-Virus gelang erstmals im Jahre 1937 bei einer Frau mit unklarem Fieber in der Provinz West-Nile von Uganda, wonach die Krankheit benannt wurde. Als 1999 erstmals Fälle in Nordamerika auftraten, erhielt die Krankheit internationale Aufmerksamkeit.

      West-Nil-Virus in den USA: Tote Vögel im Central Park

      Eine Ärztin, die viel in den Tropen gearbeitet hatte, erkannte den Zusammenhang zwischen den Tod von Vögeln im Central Park von New York und Erkrankungen von Menschen im umliegenden Stadtgebiet.
      Sie informierte die Ärzte des Militärs über ihren Verdacht, dass ein Ausbruch des West-Nil-Fiebers vorliegen könnte. Das ließ sich bestätigen. Als Überträger wurde eine mit dem Virus infizierte Mücke identifiziert, die mit einem Flugzeug von Tel Aviv nach New York gelangt war.

      In kurzer Zeit hatte sich die Erkrankung über die gesamten vereinigten Staaten ausgebreitet und gilt als Paradebeispiel für "emerging infections" – also Krankheiten, die sich unaufhaltsam immer weiter verbreiten und nicht eingedämmt werden können. Da die Erkrankung vom Tier auf den Menschen übertragbar ist, wird sie zu den sogenannten Zoonosen gezählt. Eine Infektion von Pferd oder Vogel ist als Tierseuche meldepflichtig, beim Menschen hingegen besteht keine Meldepflicht.
      Ursache des West-Nil-Fiebers ist das West-Nil-Virus. Es zählt zur Gattung der Flavi-Viren, zu denen auch das Gelbfieber und die Japanische-Enzephalitis gehören.
      Das West-Nil-Virus wird durch Mücken übertragen. Bisher wurde das Virus bei über 43 verschiedenen Stechmückenarten nachgewiesen, vor allem bei solchen der "Culex"-Gattung. Zumeist sind infizierte Vögel die Wirte und dienen dem Virus als Reservoir. Sie übertragen die Erreger auf Stechmücken, die als Verbreiter (sogenannte Vektoren) dienen und durch den Stich den End-Wirt, also Mensch oder Pferd, infizieren. Auch durch direkten Blutkontakt zu infizierten Tieren kann zu einer Übertragung des Viruses führen.

      Auch von Mensch zu Mensch kommt der direkte Übertragungsweg über Blut infrage. So kann die Krankheit nach einer Bluttransfusion mit Blut eines akut erkrankten Patienten übertragen werden. Daher werden Blutspender nach ihrer Rückkehr aus Risikogebieten für vier Wochen nicht als Speder zugelassen. Auch nach Organtransplantationen können Infektionen mit dem West-Nil-Virus auftreten und infizierte Mütter können das Virus auf das ungeborene Kind oder später beim Stillen durch die Muttermilch weiter geben.
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    • Wie geschrieben, alles halb so wild, weil wir (noch) nicht das Klima haben. Schau Dir mal die Zahlen in den USA an.

      Solange dort täglich wesentlich mehr Menschen durch Autounfälle als durch das Virus sterben, ist die Durchseuchung nachrangig.

      Mehr Sorgen bereitet mir das Krim-Kongo Fieber, oder gar Sin-Nombre. Aber auch diese beiden kleinen Ekelpakete haben - trotz Epedemien in den USA, der Keim, etc. keine großen Schäden hinterlassen.
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    • Panik schiebe ich nicht, ist eher Interesse was sich so bei uns alles ausbreitet und wo und wie Viecher, Viren und Bakterien herkommen. Neben den logischen Transportrouten via den neuen und alten aber immer intensiver genutzten Globalisierungswegen frage ich mich immer, ob wir auch in diesem Bereich einen Vorboten des Klimawandels sehen, oder ob es sich um eine normale wärmere Zeit handelt die nun mal solche Ausbreitungen mit sich bringt.
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    • Gerade eben hat mich ein Prof. Dr. Stark vom RKI Berlin angerufen. Erstmal ein sehr sehr netter und äußerst fachkundiger Kontakt.

      Leider gibt es nur sehr wenig (teilweise gar keine) Forschung zum Thema Virenübertragung innerhalb der Vektoren; also z.B. geben Zeckenmamas einen Virus an die kleinen Zeckenbabys weiter. Das gilt für fast alle Zoonosen.

      Bei Zecken gibt es tatsächlich eine- wenn auch seltene- Möglichkeit FSME an die Brut zu übertragen. Hat was mit dem Wachstum der Mutter und dem Eindringen von Hämolymphe in den Zeckeneierstock zu tun.

      Zu West Nil und vor allem Krim Kongo gibt es schlichtweg keine Forschungen, so traurig das auch sein mag. Gerade Krim Kongo ist ziemlich doof, von 2008 bis heute gab es alleine in der Türkei gut 300 Tote- mit sehr sehr hoher Dunkelziffer. Ist ja schlecht für den Tourismus.

      Ähnlich verhält es sich in Griechenland und noch deutlich schlimmer in Russland und Bulgarien.

      nlga.niedersachsen.de/infektio…es-fieber-cchf-19387.html

      Hier besteht tatsächlich eine potentielle Gefahr!!!

      Nachdem es in den Medien einige Berichte über die Hyaloron ;) Zecke gab, wurde von ca 15-20 Tierchen gesprochen. Doof ist nur, dass in der Verantwortlichen Stelle viele Anrufe und Mails über den Fund dieser neuen Einwanderer ankommen.

      Das RKI lässt sich natürlich nicht festnageln, aber es besteht tatsächlich eine potentielle Gefahr der Ansteckung, wenn auch äußerst gering.

      Eine gerade erst beobachtete Form der Ansteckung ist das so genannte Co-Feeding. Dabei wird ein Wirt- z.B. eine Maus gleichzeitig von Jungtieren (Nymphen) und adulten Tieren befallen. Das virenbefallene Alttier gibt über den Speichel Viren in die Blutbahn. Die Menge an freigesetzten Viren ist mehr als groß genug, um die Nymphen anzustecken, die dann ihrerseits zu Vektoren werden.

      Schwieriges Thema, ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht ins Dunkle bringen.
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